AUGENMERK

Foto: Ansgar Frenken

Im Rahmen des Kooperationsprojekts "Veranstaltungskritiken" beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler des Schubart-Gymnasiums mit Unterstützung des SÜDWESTPRESSE-Redakteurs Magdi Aboul-Kheir mit dem Verfassen von Veranstaltungskritiken. Die Schülerinnen und Schüler besuchten die Veranstaltungen Abbas Khider am 26. Februar und den Poetry Slam am 09. März. Darüber hinaus lernten sie das ROXY und dessen Geschichte kennen und bekamen einen Einblick hinter die Kulissen eines soziokulturellen Zentrums. So durfte auch das Planspiel eines Konzert-Bookings und das Verfassen einer Pressemitteilung nicht fehlen. 

Gefördert wurde das Projekt aus dem Mitteln des Fördertopfs für kulturelle Bildung und Teilhabe 2018 der Stadt Ulm.

Teresa Bär — Poetry Slam

Kampf der Poeten
Samstag: Poetry Slam im Roxy Ulm

„Für vor Freude springende Menschen gibt es Extrapunkte!“, sagt Moderator Ko Bylanzky zu Beginn des Abends. Für jeden, der noch nie von Poetry Slam gehört hat: Im Grunde ist es ein Dichterwettstreit mit einfachen Regeln. Vorgetragen werden nur selbstgeschriebene Texte, dafür hat jeder 6 Minuten Zeit und es dürfen keine Requisiten verwendet werden. Anmelden kann sich jeder. Wer ins Finale kommt, entscheidet sich durch die Menge des Applauses. An diesem Abend sind es 11 Kandidaten (9 Einzelkünstler und ein Team). Die Texte behandeln alltägliche Themen, wie Liebe, Probleme oder Einsamkeit, aber auch ernstere, wie Umweltschutz oder Sexismus. 

Die Atmosphäre an diesem Abend ist locker und die Stimmung wird dank witziger Sprachakrobatik immer besser. Besonders Aidin Halimi sorgt für viele Lacher und wird mit gleich vier hüpfenden Menschen und üppigem Applaus zum Finalisten der ersten Hälfte. Mit französischen Begriffen, die man auch als Nicht-Franzose versteht, erzählt er die Geschichte eines Rendezvous und löst am Ende mit „Illusion!“ auf, dass alles nur ausgedacht war. Für etwas nachdenklichere 6 Minuten sorgen unter anderem Viktor „Ventus“ Stöckelmaier mit einem Text über Umweltbewusstsein oder Laura Necker mit „Spiel des Lebens“… Zur Siegerin der zweiten Hälfte und damit auch Finalistin wird Victoria H. Bergemann gekürt. In ihrer selbstironischen Art erzählt sie von Einsamkeit und Selbstmitleid, wie sie am Rande des Bahnsteigs, abseits der weißen Linie geht, damit sich irgendjemand Sorgen um sie macht. 

Beide Finalisten ernten beim Stechen beachtlichen Applaus, doch Halimi überzeugt mit seinem Text über die Schwierigkeiten der deutschen Sprache den hüpfenden und Pirouetten drehenden Menschen etwas mehr und gewinnt den Wettbewerb. 

Wer beim Stichwort Poesie normalerweise vor Langeweile einschläft, hat an diesem Abend wohl seine Meinung geändert. Spaßig und wirklich unterhaltsam war er und man wurde immer wieder überrascht, was man so alles mit deutscher Sprache anstellen kann.

Wessen Interesse nun geweckt ist, der kann sich beim nächsten Poetry Slam am 13.4.19 um 20 Uhr von Poesie verzaubern lassen. Karten gibt's im Vorverkauf für 10€, an der Abendkasse für 12€.

 

Allerdings sollte man sich beeilen, denn die Karten für den 9. März waren restlos ausverkauft. 

Michael Schwarz — Poetry Slam

Tinder, Blamage, Sinn des Lebens
Poetry Slam - Poeten unterhalten die ausverkaufte Werkhalle.

Ulm. Euphorisch applaudierend, hüpfend, Pirouetten drehend. Moderator Ko Bylanzky aktivierte und animierte das Publikum, leitete den Poetry Slam gekonnt mit gewissem Witz am letzten Samstagabend im ROXY. Die ausverkaufte bestuhlte Werkhalle hatte 11 Poeten – 9 einzelne Poeten und ein Zweierteam – aus ganz Deutschland zu Gast, welche sich in zwei Fünfergruppen miteinander gemessen haben und jeweils einen Finalteilnehmer bestimmten. 

Die Künstler hatten freie Themenwahl, hatten komplett unterschiedliche Herangehens-weisen – von Comedy bis tiefgründigen Anklagetexten – und trugen die Texte frei oder vorgelesen vor. In der Slamvorrunde glich es einer Stimmungsachterbahnfahrt, da inhaltlich sich die Thematiken von Poet zu Poet unterschieden, so wurde einerseits von Lokalmatadorin Laura Necker der „Sinn des Lebens“ ergründet und im Gegenzug machte sich Andrea Maria Fahrenkampf sich ausgiebig über das Phänomen Tinder und die Oberflächlichkeit der Männerwelt lustig und Viktor „Ventus“ Stöckelmaier berichtete metaphorisch vom Leiden von „Mutter Erde“ durch Umweltschäden - „Liebe, Vermehren, Nächstenliebe, nehmt euch Hand in Hand; wir sind doch alle Kinder von Mama Erde“.

Sie arbeiteten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln, performten kurze Gesangs-/ Rap- oder Showeinlagen, variierten mit Stimmlagen und gestikulierten auf der Bühne.

Aidin Halimi und Victoria H. Bergemann, die beiden Finalisten, waren die herausragenden Akteure des Abends. Wo der aus Berlin angereiste Halimi zwei eigens geschriebene Texte präsentierte, wählte die Kielerin Bergmann Texte aus ihrem eigenen Buch „Basti hat behauptet, dass er gehört hätte, ...“. Gallizismen, Wörter französischer Herkunft, die in der deutschen Sprache benutzt werden, nahm sich Halimi an, reihte sie wie zuvor angekündigt grammatikalisch vollkommen wirr aneinander - „Egalite, Liberte, Fritteuse“ -, brachte das Publikum jedoch durch die inhaltliche Anordnung und außergewöhnliche Betonung grandios zum Lachen.

Auch Bergemann, welche eine Geschichte von Tinder zum Besten gab (sie sei wie eine „Primzahl“, „niemand will sich mit mir teilen außer mir selbst“), unterhielt das Publikum, verlor jedoch das Finale aufgrund von „weniger pirouettendrehenden Menschen“ – ein Gag des Moderators, welcher zur Verdeutlichung der Begeisterung eingeführt wurde und auch für ihn überraschenderweise von einer Handvoll Menschen angenommen wurde. 

Poetry Slam: Ist ein aufstrebendes Unterhaltungsformat, ein Dichterwettstreit bei welchem Poeten/Künstler selbstgeschriebene Texte vor Publikum vortragen und sich damit duellieren. Ihr Zeitlimit für den Vortrag beträgt exakt sechs Minuten. Hilfsmittel jeglicher Art wie Instrumente bzw. Kostüme sind verboten, erlaubt jedoch ist schreien, flüstern, jaulen, keuchen, pfeifen, rappen. Primär steht der Mut und Respekt gegenüber dem Poeten im Mittelpunkt. Der Gewinner wird über die Lautstärke des Applauses ermittelt.

Definition Duden, welcher den Begriff seit 2004 führt: „Auf einer Bühne vor Publikum [das gleichzeitig die Jury ist] ausgetragener Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer selbst verfasste Texte vortragen. Kurzform: Slam“.

Vor allem bei den drei Begriffsfindungen des Moderators, zur Erinnerung an den Poeten, waren viele Zuschauer mit Elan dabei, gröhlten, lachten und klatschten und genossen augenscheinlich ausgelassen den Abend.

Alles in Allem spricht so ein Poetry Slam das aktuelle Weltgeschehen, den kulturellen Wandel und Probleme an, die besonders für die Altersgruppe von 16 bis 45 interessant sein dürften. Dies spiegelte sich denn auch im Publikum wider. Gerade der Unterhaltungswert ist sehr hoch, sind die Texte doch sprachlich immer sehr ausgereift.

Der nächste Poetry Slam im ROXY findet am Samstag, den 13.04.19, um 20:00H statt, Tickets im VVK kosten 10 Euro.

Lara Minholz — Abbas Khider

Neudeutsch für Anfänger

Die deutsche Sprache ist vergleichbar mit der Deutschen Bahn, "die auch, wie das Verb nie pünktlich ist". Mit solchen Sprachphänomenen beschäftigt sich der im Irak geborene Schriftsteller Abbas Khider. Wie kann man es schaffen, Deutsch genauso schnell wie Englisch zu lernen? Thematisiert wird diese Frage in seinem Buch "Deutsch für alle", aus welchem er am Dienstagabend, den 26.2.2019 im Roxy in Ulm einige Passagen vorlas.

Abbas Khider kam 1973 in Bagdad zur Welt und wurde später aufgrund seiner politischen Meinung verhaftet. Nach seiner Freilassung floh er im Alter von 19 Jahren aus dem Irak und lebt seit 2000 in Deutschland.

In seinem Buch geht es um Verbesserungsvorschläge der deutschen Sprache, die Aus-ländern helfen sollen, leichter Deutsch zu lernen. Er bezeichnet diese Sprache als "Neu-deutsch". Der erste Vorschlag ist, aus drei Artikeln einen zu machen und zwar "die". So würde zum Beispiel Tisch nicht mehr der Tisch heißen, was nach Abbas Khiders Meinung auch eigentlich das Tisch heißen müsste, da es ein Gegenstand ist, sondern die Tisch. Des Weiteren ist es für ihn unerklärlich, dass im Nebensatz das Verb am Ende steht. Sein Vorschlag ist, das Verb immer an die zweite Stelle zu setzen. Abbas Khider schafft es durch seinen Humor und die Verwendung von Metaphern, Personifi¬kationen und Vergleichen, die Zuschauer stets am Lachen zu halten.

Als weitere Schwierig¬keit des Deutschen nennt er die Aussprache von ö, ü und ä. Um den Zuschauern das Problem zu ver¬deutlichen, lässt er einen Herrn neben sich setzen, welcher jedes Wort mit ö, ü oder ä vorliest. Abbas Khiders Lösung ist, andere Wörter dafür zu finden: zum Beispiel sagt er zu 'Öl' - "Fett", zu 'Hähnchen' - "Chicken" und zu 'Übung macht den Meister' - "Trainieren macht Fachleute". Eine andere Herausforderung für Ausländer ist die Jugendsprache, die unvoll¬ständige Sätze, Bildvergleiche oder auch Fremdwörter benutzt. So findet er die Bezeichnung "deutsche Maschine" für eine gutaussehende ältere Dame unverständlich und würde dazu lieber "gute, alte Frau" sagen.

Infolge seiner neu kreierten deutschen Sprache bezeichnet Abbas Khider sich humorvoll als "Abbas Müller Schmidt". Die von ihm ausgehende gute Laune wird auch durch die Lokation verstärkt. Vor Beginn der Lesung sorgt ein gelbgrünes und pinkfarbenes Licht, zusammen mit ruhiger und langsamer Musik, für gelassene Stimmung. Während der Lesung ist der Zuschauerraum dann dunkel und die Bühne mit einem angenehmen gelben Licht beleuchtet.

Das Problem des Deutschlernens, auf humorvolle Weise zu reduzieren, führt zu seinem obersten Ziel, Mitgefühl zu wecken und Deutschlernenden Hoffnung zu geben. Dies scheint ihm auch gut zu gelingen, denn ein Zuschauer bedankt sich am Ende bei ihm und sagt, dass das Buch ihm sehr geholfen habe. Zudem bittet er um Rat, wie er sich auf seine Prüfung vorbereiten solle. Daraufhin antwortet Abbas Khider, er solle kämpfen und nicht aufgeben, denn später wird er merken, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat.

Auch Abbas Khider hat einen schweren Weg hinter sich, bis er Schriftsteller werden konnte. So hat er zum Beispiel drei verschiedene Abiturabschlüsse gemacht. Heute ist er deutscher Staatsbürger, hat einen Sohn und unterhält als Schriftsteller erfolgreich viele Menschen. 

Die lockere Atmosphäre zieht sich vom Empfang bis zur Autogrammstunde durch und macht sich am vielen Lachen der Zuschauer bemerkbar. Verstärkt wird dies vor allem durch die ehrliche und offene Art von Abbas Khider und seiner kräftigen Stimme.

Dass es sich um einen gelungenen Abend handelt, zeigt sich auch am langen und lauten Applaus der Zuschauer.

Hanife Emini — Poetry Slam

Ein Einblick in die Deutsche Literatur und Poesie

Am Samstag, den 09.03.2019 gegen 20 Uhr, war die Veranstaltung „Poetry Slam“ im Roxy Ulm. 

„Mama geht es schlecht“. Mit diesen Worten kehrte Stille im Publikum ein. Ein Mädchen zeigte mit den Worten „Oh, nein!“ Mitgefühl, war danach erleichtert, dass der Slammer nicht seine leibliche Mutter meinte. Das Thema, vorgetragen von Victor Stöckelmaier, schilderte das un¬mögliche Verhalten der Menschen gegenüber der Welt. Es ist interessant, wie der Poet die Eigenschaften der Mutter erläuterte, um uns dann klarzumachen, dass wir schlecht mit Mutter Erde umgehen.

Der Poetry Slam ü20 hat das Publikum nicht nur zum Lachen gebracht, sondern auch zum Nachdenken angeregt. Insgesamt 9 einzelne Poeten (Victor Stöckelmaier, Victoria Helene Bergemann, Marina Sigl, Victoria, Andrea Maria Fahrenkampf, Eva Stepkes, David Weber, Aidin Halimi, Marco Schilcher und Laura Necker) und ein Poetenteam (Steven & Oliver Walter) trugen ihre selbst geschriebenen Gedichte und Texte vor. Der Poetry Slam ist sehr frei gestaltet, d.h. das Thema ist frei wählbar, die Art des Vortrages und die Wortwahl, jedoch ist eine Zeitspanne von 6 Minuten einzuhalten. Durch die Lautstärke des Applauses bestimmen die Zuschauer den Ausgang des Wettbewerbs. Hüpfen und Pirouettendrehen geben dreifach Punkte. Das anfangs als Witz gemeinte Drehen und Hüpfen wurde von einigen, mir inklusive, tatsächlich gemacht, um den jeweiligen Künstler zu unterstützen. Lautes Klatschen alleine reicht natürlich für die Meisten. 

Der Moderator Ko Bylanzky leitet die Veranstaltung ein und lockert das anfangs zähe und lustlose Publikum durch Aktivitäten, wie das Klatschen, Hüpfen und Pirouettendrehen auf. Die Veranstaltung beginnt mit dem Poetenteam. Die Zuschauer reagierten mit ununterbrochenem Lachen, doch das darauffolgende Thema von Laura Necker ist ernst und regt das gesamte Publikum zur Selbstreflektion an. Ihr Thema ist das Spiel des Lebens. Sie erzählt von der Seele und davon, ein guter Verlierer zu sein. Denn nicht das Ergebnis des Spie¬les ist das Ziel, sondern der Weg zum Ziel. Das Publikum ist nun mittlerweile voller Elan dabei und klatscht ordentlich nach jeder Vorführung. Von tiefgründigen Texten, Tinder, der Oberflächlichkeit von Männern bis hin zur Comedy war alles da¬bei.

Doch der Berliner Aidin Halimi ist literarisch so fasziniert, dass er französische Begriffen ver¬wendete und daraus einen Text zusammenbastelte, welcher auch für Deutsch¬sprachige verständlich ist. Mit seiner tollen Ausstrahlung und seinem witzigen Text (nicht nur Thema, sondern auch Vortragsweise und den nicht beachteten Satzbau) brachte er das gesamte Publikum zu frenetischem Lachen. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck und kam ins Finale.

Victoria Bergmann aus Kiel beeindruckt die Zuschauer mit dem Leben als „Primzahl“ („niemand will sich mit mir teilen außer mir selbst“). Sie trägt eine Geschichte aus ihrem Buch „Basti hat behauptet, dass er gehört hätte…“ vor, welches sie am Ende der Veranstaltung zum Verkauf anbietet. Sie wählt eine Geschichte mit einigen unrealistischen Szenen aus, welche die Vorführung aufpeppen. Sie bekommt den lautesten Applaus und landet ebenfalls ins Finale.

Victoria Bergemann und Aidin Halimi schenken dem Publikum tolle Vorführungen. Halimi hat einen Text verfasst, welcher zeigt, was für Schwierigkeiten er mit dem Lernen der deutschen Sprache überwunden hat. Der Text zeigt auf ironische Weise die Nutzung bzw. die Überflüssigkeit von Artikeln. Die Reaktion des Publikums ist starkes Lachen, springende und sogar pirouettendrehende Menschen. Er fasziniert das Publikum mit seinen Vorführungen und gewinnt schließlich den Poetry Slam.

Ohne der Belustigung einen Abriss anzutun, brachte der Poetry Slam auf elegante Art und Weise Kritik an wirtschaftlichen und sozialen Problemen an. Der Termin für den nächste Poetry Slam ist der 13. April 2019.

Clara Oberdorfer — Abbas Khider

Abbas Khider  — Deutsch Für Alle
Oder auch ein Abend ohne Umlaute

Immer Vokabeln lernen und die nervige Grammatik, die einem in jedem Satz wieder begegnet. Wer kennt es nicht? Das Lernen einer Fremdsprache ist leider nur für die wenigsten ein Kinderspiel, egal ob es Englisch, Französisch oder Spanisch ist. Doch wie ist es wohl für nicht Mutter-Sprachler, die deutsche Sprache zu lernen? Genau darüber handelt das Werk ,,Deutsch Für Alle’’ von Abbas Khider, aus welchem der Autor am Dienstag, den 26. Februar vorlas. Auf eine humorvolle Art und Weise berichtete er über seine eigenen Erfahrungen und Schwierigkeiten, die deutsche Sprache zu lernen.

Abbas Khider lebt nun schon seit 2000 in Deutschland, wurde jedoch in Bagdad geboren. Er floh im Alter von 27 Jahren aus dem Irak und verbrachte eineinhalb Jahre in Gefangenschaft. Als er es dann endlich nach Deutschland schaffte, fing er nach einigen Komplikationen mit den Behörden sein Literatur- und Philosophiestudium an. Er schrieb zahlreiche Werke, in denen er unter anderem von seiner Flucht berichtete und für die er schon zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Sein zuletzt erschienenes Werk trägt den Titel ,,Deutsch für alle’’. Er berichtet von seinen eigenen Erfahrungen des Erlernens der deutschen Sprache und das auf eine mitreißende Art. Sein Ziel des Abends und die Absicht des Buches: Er hofft auf mehr Verständnis für Deutsch-Lernende von den schon länger Deutsch-Sprechenden.

Er erzählt von Schwierigkeiten über die man sich, wenn man mit Deutsch als Muttersprache aufwächst, wenig Gedanken macht wie zum Beispiel die im Vergleich zu anderen Sprachen zahlreichen Artikel und der abstrakte Satzbau, der wie er es sagt ,,die Sätze knetet, ballert und dann kickt’’. Denn ohne das wahrscheinlich zu wissen, haben wir im Deutschen die Auswahl zwischen mehr als 200 Präpositionen, zahlreichen Deklinationen und auch das Verb kann in jedem Satz stehen, wo es will – immer fordert es jedoch eine grammatikalisch korrekte Angleichung. Um genau diese Sprachhürden überwindbarer zu machen, liest er einige seiner Verbesserungsvorschläge der deutschen Sprache vor.

Durch die vielen Beispiele und metaphorischen Veranschaulichungen, welche die Schwierigkeiten des Deutschlernens zeigen, bringt er das Publikum immer wieder zum Lachen. Schon nach wenigen Minuten war wohl allen im Publikum eines klar, Abbas Khider hatte trotz der vielen Tücken, die unsere Grammatik so in sich hat, nie den Spaß an seinem Literatur- und Philosophiestudium verloren. Auch als er am Ende der Lesung nach Tipps gefragt wird, die ,,schwierigste Sprache der Welt’’, wie sie auch genannt wird, etwas schneller als in 30 Jahren zu lernen, ist das seine direkte Antwort: Man muss es mit Humor sehen und darf den Spaß an der Sache nie verlieren. Seinen Geheimtipp erklärt er mit einem arabischen Sprichwort: Humor und Geduld sind wie ein Kamel, sie kommen durch jede Sahara. Auch an diesem Abend ging der Humor nicht verloren, denn mit seinem Temperament und der Gestik, die er verwendet, um den Zuhören das ein oder andere Problem des Deutsch-Lernens noch mehr zu veranschaulichen, findet das Publikum oft Gründe zum Lachen. Eine weitere Sache, die ihm während des Lernens wahrscheinlich sehr viel Humor gekostet hat, sind die Umlaute. Denn, wie er erklärt, gibt es diese im arabischen Sprachraum nicht, weswegen er sie auch nicht aussprechen kann. Daher lässt er sie auch an diesem Abend einfach weg oder versucht die Wörter so zu umschreiben, dass man keine Umlaute mehr braucht. Bei Ihm Zuhause gibt es daher nie Hähnchen, sondern immer nur Chicken, und auch mit Öl kocht er nie, er verwendet nur Fett. Mit fast schon akrobatischen Handbewegungen, die es für ihn einfacher machen Umlaute auszusprechen, unterstützt er seinen Vortrag.

Die Lesung, welche dem Publikum im Roxy Ulm, dem Applaus und der gesamten Atmosphäre des Abends nach zu urteilen, gut gefallen hat, fand am Dienstag den 26. Februar 2019 um 20:00 Uhr auf  der Kleinen Bühne des Roxy Ulm statt. Mit einer Dauer von ca. 60 Minuten überzeugte Abbas Khider wohl das gesamte Publikum von seinem ,,Deutsch Für Alle’’, was darauf hoffen lässt, dass das Publikum in Ulm von ihm bald wieder einmal beehrt wird.

Aylis Celik — Poetry Slam

Es wird wieder poetisch... 

Liebe, das Spiel des Lebens, Probleme und die Mutter Natur sind nur ein paar der vielen zentralen Themen, die am Samstagabend im ROXY Ulm im Fokus standen.Am 09. März 2019 fand erneut ein Poetry-Slam mit insgesamt 11 Teilnehmern statt, verteilt auf 10 Auftritte in der ersten Runde und 2 weiteren Auftritten im Finale. Die sogenannten „Slammer“ konkurrieren dabei mit selbstgeschriebenen Ge¬dichten gegeneinander, die sie innerhalb von 6 Minuten dem Publikum vortragen müssen. Der-/Diejenige mit dem lautesten Applaus kommt daraufhin ins Finale und erhält die Möglichkeit, das Publikum mit einem zweiten Text zu beeindrucken, erklärt der Moderator namens Ko Bylanzky. Die verwirrende Frage, weswegen es sich um 11 Teilnehmer handele, wird direkt am Anfang mit einem Gedicht eines Duos (Steven und Oliver Walter) beantwortet. Gemeinsam tragen sie ein amüsantes Gedicht über das Thema Probleme vor, was bei dem Publikum äußerst gut ankam. 

Daraufhin folgte ein Gedicht von Laura Necker über das Spiel des Lebens, was mir persönlich am besten gefallen hatte, da das Publikum mit der ernsten Frage über den Sinn des Lebens konfrontiert wurde.Das Gedicht gab dem Publikum einen kurzen Moment der Selbstreflexion, in dem man über seinen eigenen Sinn des Lebens nachdachte. Was macht das Leben beispielsweise lebenswert? Was ist das Endziel eines Individuums im Leben?

Nach der 20-minütigen Pause folgten die Auftritte der zweiten Hälfte der Slammer.Einen besonderen Eindruck an diesem Abend macht vor allem der junge Poet Marco Schilcher, der dem Publikum erklärte, dass Liebe mehr sei, als nur der erste Kuss. Es bedeutet Abwesenheit, Ferne und Vermissen. „Ein Drahtseilakt und doch fragil.“Darüber hinaus kam es zu einer gewissen Abwechslung durch den Dichter Aidin Halimi, der das Publikum mit einem unterhaltsamen deutsch-französischen Wortspiel überzeugte und in das Finale gegen Victoria Helene Bergemann einzog, wo er schließlich gewann.Besonders dieser Slammer konnte dem Publikum zeigen, dass der sprachliche/formale Aufbau eines Gedichts eine sehr wich¬tige Rolle spielt und in einer engen Beziehung zum Inhalt steht.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass es ein gelungener Abend war, der sich mit einem lauten Applaus auszahlte. 

Wer Lust auf eine große Abwechselung hat, sollte den Poetry Slam am 13. April 2019 um 20:00H im Roxy Ulm besuchen, Tickets kosten im VVK 10 Euro.

Abdullah Bekov — Poetry Slam

Applaudieren, Hüpfen und Pirouetten drehen im Poetry Slam?

Am 09.03.2019 war das Roxy Ulm Austragungsort für den Poetry Slam. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb, in dem selbstgeschriebene Texte ohne Hilfsmittel vor einem Publikum vorgetragen werden. 

Der Moderator Ko Bylanzky eröffnete den zweistündigen Abend vor ausverkauften Rängen, indem er dem Publikum das Regelwerk erklärte: 6 Minuten für jeden der zehn Teilnehmer, wobei die Zuschauer anhand ihrer Reaktionen (Applaus, Stampfen) für ihren Favoriten abstimmen und der "Slammer“ mit den lautesten Reaktionen gewinnt. 

Auffallend war die Individualität der vorgetragenen Texte – von Sprache bis hin zum Sinn des Lebens, wodurch das Event lebendig und spannend gehalten wurde. 

So trug Aidin Halimi, der Gewinner des Abends, einen Text vor, der sich um die Sinnlosigkeit der Artikel drehte. Dabei benutzte er ausschließlich den von ihm selbst erfundenen unbestimmten Artikel ,,eins” z.B ,,eins Mann oder eins Frau”. Passend dazu beendete er seinen "Slam” indem er dem ausverkauften Saal bewusst machte, dass sie ihn auch ohne den Gebrauch der Artikel verstanden hätten. 

Das Roxy Ulm hat genau das richtige Teilnehmerfeld ausgesucht, da jeder "Slammer“ zum Gesamtkunstwerk beigetragen hat und kein Vortrag ermüdend oder langweilig war. 

Die Stimmung im Saal war hervorragend, da jeder Zuschauer aktiv beteiligt war und einige sogar hüpften oder gar Pirouetten drehten, um für ihren Favoriten zu voten. Dieser Fakt sagt sehr viel über die Begeisterung im Publikum an diesem Tag aus. Die Atmosphäre war magisch: stilles und aufmerksames Lauschen während des Vortrags kombiniert mit lauten und aktiven Reaktionen nach dem Vortrag kreierten eine fesselnde Atmosphäre. 

Einziger Kritikpunkt ist, dass im Nebenraum zur selben Zeit eine Kinovorführung stattfand, wodurch die Zuschauer, die an der Wand saßen, teilweise das Gelächter von nebenan hörten und dies als störend empfunden werden könnte. Jedoch tut das dem grandiosen Abend keinen Abbruch. 

Wer nun Lust bekommen hat, selber in einem Poetry Slam zu sitzen oder vielleicht sogar selber an einem Poetry Slam teilzunehmen, sollte sich den 13. April 2019 vormerken, da dort im Roxy Ulm der nächste Slam stattfindet.

ROXY-Pass

Für regelmäßige Besucher

  • kommt im ROXY am TicketService vorbei oder meldet euch in einer ruhigen Minute beim Einlasspersonal und lasst euch den Pass ausstellen
  • bei allen ROXY-eigenen Veranstaltungen an der Abendkasse entwerten lassen (ROXY muss Veranstalter sein
  • voller Pass = 1x freier Eintritt
    • die volle Karten kann im TicketService gegen eine Freikarte eingetauscht werden
    • ROXY muss Veranstalter sein
    • Veranstaltung darf zu dem Zeitpunkt nicht ausverkauft sein
    • der reguläre Preis darf bei maximal 23,—€ liegen
  • erhaltet exklusive Angebote per Email