Berblinger, Schneider

Variationen über einen Freiheitstraum von Ulf Schmidt

zum 250. Jubiläum von Albrecht Ludwig Berblinger
Do. 03.10.2019
19:00 H
Theater
Theater Ulm
21,50 bis 23,—
Einlass: 18:30 H
Bestuhlt

Mancherorts ist es zeitweise lebensgefährlich, hoch hinaus zu wollen, auch und gerade in Ulm. Auf der einen Seite Albrecht Ludwig Berblinger, ein Ulmer und Erfinder, auf der anderen Seite die übrige Ulmer Bevölkerung, Nicht-Erfinder: Was die nicht sind, darüber reden sie — über den besonderen Ulmer, der ein fliegender Schneider sein und die Gesellschaft verändern will. Ulmerinnen und Ulmer können nicht fliegen, die verrichten brav und erdenschwer ihr Tagwerk. Mit Überfliegern wissen sie nichts anzufangen, und Utopien und ›Freimüthige‹ gehören ausgetrieben. Dass Berblinger mit seinem Flugwerk öffentlich ›den Ikarus macht‹, kommt gelegen, er wird als ›civiliter mortuus‹ abgestempelt, für bürgerlich tot erklärt, und verhungert schließlich in seiner Geburtstadt.

»Berblinger, Schneider.« befragt hintergründig auch andere Aspekte dieses Schicksals: War er an sozialrevolutionären Umtrieben beteiligt? Entwickelte er mit seiner Beinprothetik bereits kriegstaugliche Medizintechnik für Wunden, welche die von ihm erforschte Flugtechnik später schlagen wird?

1944 wird die Ulmer Altstadt in Schutt und Asche gelegt. Aus der Luft. Wo endete Berblingers Traum vom Fliegen — in Guernicà? Coventry? Hiroshima? Dresden? Welche technische Errungenschaft kehrt sich nicht früher oder später gegen ihre Erfinder? Wann kippt die Utopie in die Dystopie, Erfinder-Drang in Hybris?

Altersempfehlung 14+

Mit freundlicher Unterstützung der Baden-Württemberg-Stiftung